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Archiv der Kategorie Pressespiegel
Bekommen wir ein langsames Aus für’s Bargeld??
27.3.2011 von MM.
Bundesbank gibt Bargeldversorgung in private Hände
Drastische Verteuerung der kleinen Münzen - Ein weiterer Angriff auf das Bargeld
http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=15761
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Merkt denn niemand etwas?
11.3.2011 von MM.
Oder ist die Verblödung schon so weit fortgeschritten?
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USA: Utah will Gold als Zahlungsmittel
11.3.2011 von MM.
| USA: Utah will Gold als Zahlungsmittel | | Drucken | |
| 07.03.2011 |
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Gold- und Silbersensation in den USA: Das Parlament des US-Bundesstaates Utah stimmte mit einer großen Mehrheit für die Einführung von Gold- und Silbermünzen als offizielles Zahlungsmittel. Andere US-Bundesstaaten wollen folgen. Rückkehr zum Goldstandard? Sensation in den USA: Die Abgeordneten des State House in Utah stimmten für die Einführung von Gold und Silber als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Abstimmung pro Edelmetalle erfolgte mit großer Mehrheit. 47 Abgeordnete stimmten dafür, nur 26 dagegen! Einen solchen Vorgang gab es in den USA seit 80 Jahren nicht. Kommt es nun zur zur Goldrevolution? In den USA gab es einen offiziellen Goldstandard von 1873 – 1933, danach wurde Gold im Privatbesitz verboten und erst nach 1971 wieder erlaubt. Der Gesetzbeschluss im US-Bundesstaat Utah ist offenbar erst der Anfang: Bisher planen 13 Staaten in den USA ebenfalls die Wiedereinführung von Gold- und Silbermünzen als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Abstimmungen stehen zwar noch aus, im Allgemeinen wird aber damit gerechnet, dass das Ergebnis ähnlich ausfällt wie in Utah. Kleiner Wehrmutstropfen: die Edelmetallmünzen werden nur dann als Zahlungsmittel akzeptiert, wenn sie von der staatlichen Münze stammen. Dies dürfte aber in der Praxis kaum Auswirkungen haben. Schon wird öffentlich darüber debattiert, ob einzelne Staaten in den USA zum Goldstandard zurückkehren, um sich gegen einen schwachen Dollar zu schützen. . Nach der Abstimmung in Utah muss nun noch der Senat und der Gouverneur das neue „Goldgesetz“ unterzeichnen. |
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Ein Kapitalist braucht eine Bilanz
6.3.2011 von MM.
05. März 2011
Es folgt eine ziemlich steile These über eine der langweiligsten Materien, die Menschen je erdacht haben: die doppelte Buchführung. „Man kann schlechthin Kapitalismus ohne doppelte Buchführung nicht denken, sie verhalten sich wie Form und Inhalt zu einander. Und man kann im Zweifel sein, ob sich der Kapitalismus in der doppelten Buchführung ein Werkzeug, um seine Kräfte zu betätigen, geschaffen hat, oder ob die doppelte Buchführung in ihrem Geiste den Kapitalismus erst geboren hat. Die doppelte Buchführung ist eine der grandiosesten und folgenreichsten Erfindungen, besser Schöpfungen, des menschlichen Geistes.“
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Es kommt wie es kommen muss!
22.2.2011 von MM.
Das sind 2.000 (zweitausend) Milliarden !!
Oder 2.000.000.000.000,- € und für jeden Cent werden Zinsen bezahlt!!
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Ökonomen entdecken die Verteilungsfrage neu
17.2.2011 von MM.
Lange Zeit sahen viele Wissenschaftler die Schere zwischen Arm und Reich positiv. Ungleichheit galt als Triebkraft einer florierenden Marktwirtschaft. Das ändert sich.
http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-02/arm-reich-oekonomie?page=1
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Ein Unternehmer, der nicht wachsen will
17.1.2011 von MM.
WIRTSCHAFT Harald Rossol ist ein weißer Rabe: Er will mit seiner Firma nicht größer werden. Doch er steht mit seiner Haltung nicht allein. Ist Wachstum längst nicht mehr alles? Das soll nun eine Enquetekommission untersuchen
VON HANNES KOCH
Diese Bremer Firma ist eine große Ausnahme. Harald Rossol, ihr Chef, sagt ganz erstaunliche Sachen. So bekennt er: “Wir wollen nicht wachsen.” Sechs Beschäftigte in seinem Unternehmen für Informationstechnologie seien ihm genug. “Dabei bleibt es, obwohl wir locker Arbeit für mehr Leute hätten.” Der 48-jährige Rossol beschränkt sich - und damit auch seine Gewinnaussichten.
Ein solcher Standpunkt bei einem Unternehmer ist ungewöhnlich. Würden die Vorstände von Daimler, Siemens oder auch Solarworld Ähnliches sagen, könnten sie sich einen neuen Job suchen. Die Aktien würden ins Bodenlose fallen, die Firmen würde von Konkurrenten geschluckt. Ein Konzern, die Wirtschaft, die ganze Gesellschaft kann ohne Wachstum nicht leben - das ist die Beschwörungsformel, die kaum jemand in Zweifel zieht.
Harald Rossol jedoch behauptet das Gegenteil. “Unser Umsatz wächst nicht, er bleibt stabil, und trotzdem geht es uns gut.” Seit 1991 versorgt sein Bremer Betrieb b.r.m. vor allem mittelständische Firmen mit Computern und dem Know-how drum herum. Rossol bietet seinen Kunden auch an, den Energieverbrauch des Serverraums zu reduzieren, und er kümmert sich um die Entsorgung alter Bauteile. Die Berater sitzen in einem modernen Büro im alten Bremer Hafen. Ein Erfolgsmodell - mit einer Spur Lässigkeit. Damit wäre es vorbei, würde er die Zahl seiner Mitarbeiter verdoppeln oder verdreifachen, befürchtet Rossol. Dann hätte er jede Menge Managementaufgaben zu erledigen und könnte sich nicht mehr persönlich um die Kunden kümmern.
Rossols Skepsis gegenüber betriebswirtschaftlichem Wachstum findet Reinhard Loske super. Vor einem Jahr hat der Bremer Umweltsenator von Bündnis90/Grüne die Enquetekommission des Bundestags mit initiiert, die heute ihre Arbeit aufnimmt. “Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität” steht als Überschrift über dem Vorhaben, das 17 Abgeordnete aller Bundestagsparteien und 17 Wissenschaftler von alternativ bis konservativ nun bereits seit einigen Jahren beschäftigt.
Es geht um zwei Punkte. Erstens: “Ist eine stabile Entwicklung Deutschlands auch ohne oder mit nur geringem Wachstum möglich?” Außerdem will man einen neuen Wohlstandsindikator entwickeln, der - anders als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) - nicht nur den Geldwert der produzierten Güter und Dienstleistungen misst, sondern vielleicht auch die Zufriedenheit der Bürger.
“In unserer hoch effektiven Wirtschaft leiden immer mehr Menschen an Erschöpfung”, beschreibt Loske ein Motiv der Enquetekommission. “Sie wünschen sich mehr Zeit statt mehr Arbeit oder Geld. Sie bezweifeln, dass der Zwang zum ewigen Mehr noch einen Sinn hat.” Und es geht Loske um die Schäden, die unsere Ökonomie verursacht. Er glaubt nicht, dass wir Klimawandel und Umweltzerstörung stoppen könnten, wenn wir einfach Kohlekraftwerke durch Solaranlagen ersetzen: “Wir brauchen auch eine Veränderung der Kultur und der Lebensstile.”
Diese Sicht ist sogar bei Bündnis90/Grünen umstritten - erst recht bei SPD, Union und FDP. Doch auch diese Parteien tragen die Enquetekommission mit. Warum? Sie haben festgestellt, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung ändert. Das mag auch mit der Finanzkrise zu tun haben, in der die Wachstumsökonomie eine historische Niederlage erlitten hat. Ein Indikator der Akzeptanz wachstumskritischer Gedanken in breiten Bevölkerungskreisen ist der Erfolg des Buchs “Exit - Wohlstand ohne Wachstum” des eher konservativen Wissenschaftlers Meinhard Miegel.
Aber haben wir überhaupt eine Chance, auf Wachstum zu verzichten? Würde dann nicht unser ganzer Wohlstand verloren gehen? Der technische Fortschritt in Deutschland macht jedes Jahr 1 bis 2 Prozent der Beschäftigten überflüssig - weil mit besseren Maschinen und Computern weniger Leute die gleiche Menge herstellen können. Also muss die Wirtschaft wachsen, damit die zusätzliche Produktion auch zusätzliche Arbeitsplätze für das an anderer Stelle wegrationalisierte Personal schafft.
Ein anderes Beispiel für den vermeintlichen Wachstumszwang: Unternehmen müssen jedes Jahr mehr Geld erwirtschaften, weil ihre Kosten für Vorprodukte, für Treibstoff und Löhne steigen. Täten sie es nicht, würde ihr Gewinn dahinschmelzen, und sie würden bald von der Konkurrenz übernommen.
Diesen Druck spürt natürlich auch der Bremer Unternehmer Harald Rossol. Er reagiert aber nicht, indem er mehr Beschäftigte einstellt und seinen Umsatz in die Höhe treibt. “Wir tun alles, um unsere Arbeitsprozesse besser und effektiver zu machen”, erklärt Rossol. So werden Rechnungen bei b.r.m. nicht mehr individuell verfasst, sondern das System spuckt sie am ersten Werktag jedes Monats automatisch aus. Dem Kostendruck von außen begegnet die Firma mit Kostensenkung im Innern. Sogar der Gewinn steigt dabei. Das muss nicht ewig so bleiben, aber zurzeit klappt es. Das zeigt: Auch in Unternehmen gibt es Möglichkeiten, anders mit dem Druck umzugehen - der behauptete Zwang zu Umsatz- und Mengenwachstum existiert nicht.
Wenn man also das Prinzip des ewigen Mehr gesamtgesellschaftlich infrage stellen wollte, was müsste man dann tun? Der Vorschlag Reinhard Loskes: zumindest den Zwang zum Wachstum reduzieren. “Wir sollten beispielsweise die Sozialbeiträge der Beschäftigten und Unternehmen verringern”, sagt der Grüne. Das würde die Kosten der menschlichen Arbeit senken, und die Firmen hätten weniger Grund, Arbeitsplätze wegzurationalisieren. Damit nähme auch die Notwendigkeit ab, durch hohes Wachstum Ersatzjobs zu schaffen. Das Minus an Staatseinnahmen ließe sich dadurch ausgleichen, dass man statt der Arbeit den Energieverbrauch höher besteuert und damit die Verschwendung eindämmt.
Bleibt die Frage, ob Wachstum heute wirklich so wichtig ist, wie viele stets behaupten. Vielleicht ist Harald Rossols Bremer IT-Firma gar keine Ausnahme. Was ist mit den hunderttausenden Kleinfirmen, den Handwerksbetrieben, Friseurläden und Gemüsehändlern, die einen Großteil der Arbeitsplätze in diesem Land stellen? Die meisten wachsen nicht - und sie überleben doch. Wie sagte ein türkischer Gemüsehändler in Berlin-Kreuzberg, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte? “Mein Umsatz stagniert, mein Gewinn geht zurück.” Trotzdem verkauft er zusammen mit seiner Frau seit Jahrzehnten die schmackhaftesten Pasten und Köfte - und er wird es wohl noch zwanzig Jahre tun. Wirtschaften ohne Wachstum ist vielleicht schon längst die Regel.
TAZ Nr. 9396 TAZ-Bericht v. 17.01.2011, S. 04, 232 Z. von HANNES KOCH
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Geld - Mythos und Macht (II)
30.12.2010 von MM.
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Jens Berger 29.12.2010
Warum der Goldstandard nicht realisierbar ist und die öffentliche Geldschöpfung neu aufgestellt werden sollte
Der Goldstandard war lange Zeit ein Erfolgsmodell. Bei ihm ist der Wert einer Währungseinheit direkt oder indirekt an den Handelspreis für Gold gekoppelt. Die Zentralbanken sind verpflichtet, die Gegenmenge des ausgegebenen Geldes in Gold vorzuhalten. Da Gold nicht beliebig vermehrbar ist, können goldgedeckte Währungen auch nicht beliebig vermehrt werden. Geld gleich Gold - diese Formel wurde lange Zeit als Zauberformel gegen eine unkontrollierbare Inflation angesehen. Doch wer nun einen Goldstandard als Inflationsversicherung sieht, liegt ebenfalls daneben. Die Geschichte zeigt, dass Staaten den Goldstandard bei jeder sich bietenden Gelegenheit Goldstandard sein lassen und die Forderungen auf die “garantierte” Goldmenge streng genommen das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. Als die Franzosen beispielsweise 1971 ihre Dollar-Reserven zu Gold machen wollten, lehnte Präsident Nixon kühl lächelnd ab - damit war nicht nur der Goldstandard gestorben, sondern auch gleich das gesamte Bretton-Woods-System der festen Wechselkurse, das implizit auf die Golddeckung des US-Dollars aufbaute.
Bei einem strengen Goldstandard würde paradoxerweise auch nicht die wirtschaftliche Entwicklung, sondern die Fördermenge des Edelmetalls Gold die Geldmenge bestimmen. So hat beispielsweise der legendäre Goldraub der Conquistadores in der “neuen Welt” dazu geführt, dass die “alte Welt” in einem Wirtschaftschaos versank - die Kolonialmacht Spanien musste in einem Jahrhundert ganze dreizehn Staatsbankrotte erklären. Warum eine moderne Volkswirtschaft ein so wichtiges Instrument wie das Geld von bergbaulichen Detailfragen abhängig machen sollte, ist ohnehin nicht ersichtlich. Da könnte man die Geldmenge auch an die Schneemenge, die jeden Winter auf unser Land niederfällt, koppeln - der Zusammenhang erschließt sich nämlich genauso wenig.
Gold ist knapper als Geld
Dass Goldhändler und Goldanleger die Frage des Goldstandards grundsätzlich anders beantworten, liegt auf der Hand. Technisch betrachtet, ist heute eine Rückkehr zum Goldstandard undenkbar. Da die globale Geldmengenvermehrung in den letzten Jahrzehnten aufgrund der Globalisierung und der Privatisierung massiv zugenommen hat, gibt es überhaupt nicht so viel Gold, dass man einer Recheneinheit Geld einen realistischen Goldgegenwert zuweisen könnte. Weltweit gibt es rund 155.000 Tonnen Gold. Dem stehen alleine rund 13,5 Billionen US-Dollar (1) gegenüber - eine Feinunze müsste somit für den schwindelerregenden “Gegenwert” von mehr als 27.000 US$ stehen. Und dies betrifft nur die kursierende Dollarmenge - ein weltweiter Goldstandard würde den Goldpreis wahrscheinlich in die Höhe eines Einfamilienhauses pro Feinunze bringen. Wer da nicht Omas Goldbrosche verscherbelt, ist selber schuld.
Diese Zahlen belegen, dass eine Wiedereinführung des Goldstandards nicht realisierbar ist. Sie wäre auch komplett unsinnig, da Geld je eben nicht für einen Wert an sich, sondern für eine Forderung steht, und die Menge der in Anspruch genommenen Kredite eine reine Recheneinheit ist, der man keinen materiellen Gegenwert zuordnen kann. Schlimmer noch: Ein Goldstandard würde nicht nur den Zentralbanken, sondern auch dem Staat die Hände binden. Wenn ein Staat in Phasen der Depression beispielsweise die Wirtschaft durch kreditfinanzierte Ausgaben ankurbeln will, müsste er sich erst einmal darum kümmern, die Goldreserven zu erhöhen, um frisches Geld in Umlauf zu bringen. Da ein Rechtstaat das Gold freilich nicht “im nationalen Interesse” requirieren kann, müsste er es in einem solchen Falle am Markt einkaufen. Der Preis würde steigen, jedes Währungsäquivalent wäre nun unterdeckt und der Staat müsste entweder Geld vernichten oder abermals Gold kaufen. Dass dies weder möglich noch sinnvoll ist, sollte auch jedem Goldhändler aufgehen, der mit Panikmache sehr viel Geld verdient.
Das Paradoxon der öffentlichen Geldschöpfung
Dass die öffentliche Geldschöpfung über einen Goldstandard nicht sinnvoll möglich ist, sollte einleuchten. Warum der Staat öffentliche Gelder auf beinahe die gleiche Art wie Lieschen Müller schöpft, ist jedoch ein selten angesprochenes Paradoxon der modernen Geldpolitik. Wenn Lieschen sich bei ihrer Freundin Erna einen Euro leiht, haben die beiden die Geldmenge ( Forderung und Verbindlichkeit (2)) um einen Euro erhöht - sie haben also “Geld gedruckt”. Die oft gehörte Irrlehre, der Staat habe ein Monopol auf das “Gelddrucken”, ist natürlich falsch. Die staatlichen Zentralbanken haben zwar ein Monopol auf die Geldschöpfung, das sie über die Geschäftsbanken bis in den Privatbereich weitergeben - der “Gelddrucker” ist jedoch immer derjenige, der sich bei wem auch immer Geld leiht.
Die Lizenz, Geld zu drucken
Die faktische Geldschöpfung obliegt in der Eurozone der EZB und in den USA der FED. Während die Amerikaner nach der Finanzkrise dazu übergegangen sind, in Krisenzeiten ihre neuen Staatsanleihen direkt bei der FED zu platzieren, nehmen Europas große Volkswirtschaften ihr Geld immer noch über den freien Markt - und damit das Geschäftsbankensystem - auf. Damit folgt man dem neoliberalen Dogma, das Geld vor der politischen Willkür zu schützen, da - so die Theorie - ein Staat sich das Geld nicht einfach zu einem unrealistisch niedrigen Zins von der EZB leihen kann. Der Preis für diese selbst auferlegte Enthaltsamkeit ist jedoch hoch - das Bankensystem macht nicht nur prächtige Gewinne mit dem Handel von Staatsanleihen, es kann sie neuerdings sogar selbst kaufen und als 1:1-Sicherheit als Einlage bei der EZB hinterlegen.
Eine Bank kann sich also 1.000 Euro für 1% von der EZB leihen, kriegt vom Staat 2,5% Zinsen und macht 1,5% Zinsgewinn. Wer glaubt, für 1,5% steht ein Herr Ackermann noch nicht einmal auf, der irrt - neue Regularien erlauben es den Banken, die Anleihen als Einlage bei der EZB zu hinterlegen. Herr Ackermann bekommt also 1,5% Zinsgewinn, ohne dass er auch nur einen Euro investieren musste - ein Bombengeschäft, wenn man einmal die unwahrscheinliche Bedrohung eines deutschen Staatsbankrotts außer Acht lässt. Gegen einen solchen Fall kann sich eine Bank jedoch für kleines Geld versichern - fraglich ist nur, wer nach einem deutschen Staatsbankrott noch so solvent ist, dass er die Versicherungssumme erstatten könnte. Solche Fragen interessieren die Banker aber nicht, bieten sie doch selbst die Versicherungen an, mit denen letztlich nur jedes noch so kleine Risiko aus den Büchern herausgerechnet wird, um mehr Kredite vergeben zu können.
Da stellt sich unweigerlich die Frage, warum der Staat seine Schulden nicht direkt für 2,5% - oder gar zu einem niedrigeren Zinssatz - bei der EZB aufnimmt oder warum er sich nicht wenigstens über einen öffentlichen Staatsfinanzierer wie die KfW refinanziert, deren Gewinne ins Staatssäckel zurückfließen? Etwas anderes als eine verdeckte Subventionierung der Geschäftsbanken auf Kosten der Steuerzahler kann man in dieser Praxis nicht sehen. Rund 40 Milliarden Euro (mit steigender Tendenz) muss der Bund Jahr für Jahr für den Zinsdienst bereitstellen. Wäre es nicht wunderbar, wenn der Staat diese Zinsen an sich selbst zahlen würde?
Moderne “Geldsystemkritik”
Auch wenn die Analysten der Banken aus verständlichem Grund Zeter und Mordio schreien würden und zumindest Hyperinflation, wenn nicht sogar den Untergang des Abendlandes prognostizieren würden, würde sich de facto bei einer Umstellung der Staatsfinanzierung herzlich wenig ändern - außer, dass der Staat langfristig mehr Geld zur Verfügung hätte und handlungsfähiger wäre. Eben diese Handlungsfähigkeit ist bei Finanzlobbyisten aber nur dann erwünscht, wenn es darum geht, immer neue Schutzschirme für die Finanzbranche aufzuspannen.
Volkswirtschaftliche Themen spielen seit der Finanzkrise auch in der täglichen Diskussion eine immer wichtigere Rolle. Vor allem die Argumente der sogenannten “Geldkritiker” werden immer dabei schriller und erstaunlicherweise von immer mehr Menschen geglaubt. Waren es früher noch “Verschwörungstheoretiker”, die sich neben dem Geldsystem vor allem mit Ufos und den Bilderbergern beschäftigen, ist die Kritik am Geldsystem mittlerweile salonfähig geworden. Doch die gutgläubigen Geldkritiker an der Basis sind dabei selbst nur Bauern in einem Schachspiel, das sie nicht verstehen.
Die Österreichische Schule ist eine Schule der Nationalökonomie, die den Markt als heiligen Gral verehrt und deren natürlicher Feind der Staat ist. Ökonomen wie Friedrich von Hayek und Ludwig von Mises waren bereits die geistigen Väter einer Ideologie, die uns als Neoliberalismus bekannt ist. Die - teils kruden - Geld- und Konjunkturtheorien der Marktfundamentalisten waren seit jeher überaus skeptisch gegenüber einem ungedeckten Papiergeldsystem. Es liegt natürlich im Interesse jedes Marktfundamentalisten, den Staat aus immer mehr Bereichen des Lebens und der Wirtschaft zurückzudrängen, um diese Bereiche durch den Markt regulieren zu lassen. Ein ungedecktes Papiergeldsystem verschafft dem Staat allerdings genau diesen Handlungsspielraum, den Marktfundamentalisten verteufeln.
Die Finanzkrise hat den “Österreichern” Auftrieb gegeben. Undifferenzierte Kritik am Staat fällt in Zeiten, in denen die freien Märkte den Staat bereits an den Rand der Handlungsunfähigkeit getrieben haben, natürlich nicht nur in libertären Kreisen, sondern bei allen denkbaren politischen Splittergruppen am äußersten Rand auf fruchtbaren Boden. Sobald ein Analyst eines großen Bankhauses etwas vom “Zusammenbruch des Geldsystems” erzählt, sind ihm tausende Links in Foren und Blogs sicher. Schreibt er auch noch ein Buch, kann er sich zur Ruhe setzen. Der beste Schutz vor derlei Propaganda und Scharlatanerie ist jedoch Wissen. Nur wer tatsächlich glaubt, dass der Staat ein Geldmonopol habe, ein Goldstandard hilfreich sei und eine kreditunabhängige Geldreform uns dem Himmelreich auf Erden näher bringen wird, lässt sich von Politikern wie Ron Paul oder der Geldelite ins Dickicht ziehen. Die Frage, ob ein Staat oder eine marktmächtige Elite besser für das Volk ist, muss allerdings jeder für sich selbst beantworten.
LINKS
(1) http://www.nowandfutures.com/key_stats.html
(2) http://Link auf W4
Telepolis Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33922/1.html
Copyright © Heise Zeitschriften Verlag
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Leserartikel-Blog Ihre Beiträge auf ZEIT ONLINE. Zu den Blogs Wie verteilt wird — und wieviel verteilt werden kann.
30.12.2010 von MM.
Vom Sparen, vom Investieren und vom Verteilen
Die vom neoklassischen Gleichgewichtsgeist getragene Vorstellung der klassischen Schulökonomie beschreibt eine stationäre Wirtschaft, die sich immer nur am gleichen Niveau in einem Kreislauf reproduziert. In dieser werden fertige gegen fertige Produkte mit Hilfe des Geldes getauscht werden. Nur dazu braucht es hier Geld: Zum Tausch fertiger Produkte untereinander. Die Einkommen, die dabei - unhinterfragt – entstehen, werden dann in Lohneinkommen und Kapitaleinkommen aufgeteilt. Und hier entsteht nun das politische Bemühen, auf diese Verteilung Einfluss zu nehmen. Diese aber hängt in großem Ausmaß von der politische Stärke der Gruppen ab, in denen sich Arbeiter und Kapitalisten organisieren.
Diese Überlegungen weisen den Mangel auf, dass Produkte erst nach erfolgter Fertigung getauscht werden können. Wie diese Fertigung in dieser Theorie erfolgt, dazu gibt es keine ausreichende Antwort.
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Das Wunder von Wörgl in der ZEIT
29.12.2010 von MM.
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