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Gold und Geld oder doch besser Bits im Computer?

Dieser Eintrag stammt von MM Am 18.11.2010 @ 19:49 In Textauszüge aus Gesells Werken | Keine Kommentare

Silvio Gesell, 1911 in „Die neue Lehre vom Geld und Zins“ (S. 26)

 

Muß jeder, der sich an der Arbeitsteilung beteiligen will, seine Produkte gegen Gold (Silber usw.) oder gegen Geld verkaufen? Früher war das Geld aus Silber gemacht, und alle Waren mußten gegen Taler verkauft werden. Man schied das Geldwesen vom Silber und die Arbeitsteilung bestand weiter, der Tausch der Produkte vollzog sich weiter. Es war also kein Silber, was die Arbeitsteilung brauchte. Die Nachfrage, die die Waren nach Tauschmitteln erzeugten, bezog sich nicht auf das Material des Tauschmittels, auf das Silber. Das Geld brauchte nicht notwendigerweise aus Silber gemacht zu sein. Das steht nun einmal erfahrungsgemäß fest. Muß nun aber das Tauschmittel aus Gold hergestellt sein? Braucht der Bauer, der Kohl gebaut hat und diesen verkaufen will, um mit dem Erlös den Zahnarzt zu bezahlen, Gold? Ist es ihm im Gegenteil für die kurze Weile, während der er in der Regel das Geld behält, nicht vollkommen einerlei, woraus das Geld besteht? Hat er nicht in der Regel nicht einmal Zeit, sich das Geld anzusehen? Und kann man diesen Umstand nicht dazu benutzen, Geld aus Zellstoff, aus Papier zu machen? Würde der Zwang, die Produkte der Arbeitsteilung, also die Waren gegen Geld zum Verkauf anzubieten, nicht fortbestehen, wenn wir das Gold durch Zellstoff bei der Geldfabrikation ersetzen? Würde durch einen solchen Übergang die Arbeitsteilung in die Brüche gehen, d. h. würden die Bürger lieber verhungern als Zellstoffgeld als Tauschmittel anzuerkennen? Die Theorie behauptet, daß das Geld, um als Tauschmittel dienen zu können, inneren „Wert“ haben muß, indem das Geld immer nur soviel „Wert“ eintauschen kann, als es selbst in sich birgt, etwa wie man Gewichte nur mit Gewichten heben kann. Da nun Zellstoffgeld keinen „inneren Wert“ hat, also leer ist, so sei es ausgeschlossen, daß es Waren eintauschen könne, die Wert besitzen. Null kann nicht mit 1 verglichen werden. Es fehle dem Zellstoffgeld jede Beziehung zur Ware, es fehle ihm der „Wert“ – darum sei es unmöglich.

 

So wie sich Gesell zu Beginn des vorigen Jahrhundert für die Lösung vom Edelmetall einsetzte, würde er heute sicher auch im Zusammenhang mit dem elektronischen Geld argumentieren. Letztlich ist „Geld“ nur eine Vertrauenssache, bei der man sich auf eine allgemein akzeptierte Dokumentation geeinigt hat. Der Unterschied von Goldmünzen und Guthaben auf dem Handy besteht im wesentlichen in der Haltbarkeit des Materials, zur Zweckerfüllung spielt der Unterschied keine Rolle.


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