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Nobelpreis für Wirtschaft ?

Dieser Eintrag stammt von MM Am 22.10.2010 @ 08:20 In Beiträge | Keine Kommentare

Leserbrief zum Artikel

„Nobelpreis für eine Theorie, die auch Hartz IV erklären kann“Kieler Nachrichten vom 12.10.2010

 

Wer als Wirtschaftswissenschaftler den Mächtigen in unserem Staate die Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mit systemkonformen Theorien untermauert, kann – wie wir sehen — sogar mit dem Nobelpreis rechnen. Dabei wissen wir inzwischen aus praktischen Erfahrungen, dass Hartz IV nicht im Mindesten dazu beiträgt Menschen in den normalen Arbeitsprozessen einzugliedern, sondern sie eher aus ihrem sozialen Gefüge ausgliedert, sie unter Generalverdacht von Schmarotzertum und Arbeitsunwilligkeit stellt.

 

Zwei Fragen stellen sich in unserem System, die beantwortet werden müssen, um zu einer allen dienenden Lösung der sozialen Fragezu kommen :

 

1.) Woher kommt es, dass in unserer hoch entwickelten Gesellschaft immer mehr Menschen an den Rand gedrängt werden, obwohl sie etwas können und auch arbeitswillig sind? und

2.) Wie kann, ja muss, ein Wirtschaftssystem aussehen, dass allen Menschen dient und nicht zur Teilung unserer Gesellschaft in immer reicher werdende Reiche und immer zahlreicher werdende Arme führt?

 

zu 1.)         In einem Wirtschaftssystem, in dem das Kapital immer den Ausschlag gibt wo und wann es für Investitionen zur Verfügung steht, gerät der Mensch mit seiner Arbeitskraft als Kostenfaktor immer mehr in den Hintergrund. Geld steht dort zur Verfügung, wo höchste Renditen zu erzielen sind und das ist eben nicht in Bereichen, in denen Menschen in kleinräumigen, regionalen Wirtschaftskreisläufen arbeiten und wirken z.B. in der bäuerlichen Landwirtschaft, in regionalen kleinen und mittleren Handwerksbetrieben, im Dienstleistungssektor. Das Kapital regiert und bestimmt – durchaus mit Zustimmung der meisten Menschen – was im einzelnen passiert. Das Ergebnis erleben wir z. Zt., und nehmen es offenbar auch als gottgewollt einfach hin (nach dem Motto: wir können ja doch nichts dagegen tun).

 

zu 2.)         Die zweite Frage stellt unser derzeitiges Wirtschaftssystem zur Disposition. Wenn wir nicht bereit sind die Systemfrage insoweit zu beantworten, als dass es auch möglich sein könnte ein anderes System zu favorisieren, das allen Menschen dient, nicht nur den Kapitaleignern – z. Zt. nur etwa 2% der gesamten Menschheit – so werden wir die Agonie des kapitalistischen Wirtschaftssystems nicht überwinden können und schließlich irgendwann im Chaos enden. Offenbar stehen immer noch Maßnahmen, von denen wir wissen, dass sie uns in diese Krise geführt haben, zur Verfügung, um die Auswirkungen für betroffene Menschen abzumildern, sie werden aber den Zusammenbruch nicht endgültig verhindern können. Der Zeitpunkt wird lediglich hinausgezögert.

 

Wie könnte also ein Wirtschaftssystem der Zukunft aussehen, das allen etwas gibt und niemandem etwas nimmt, was ihn in den Ruin stürzt?

 

Silvio Gesell hat mit seiner Forderung nach einer natürlichen Wirtschaftsordnung die Richtung aufgezeigt, die eingeschlagen werden sollte. Voraussetzungen wären:

 

1.)eine Geldreform, die das zu bedienende Kapital zum Diener des Menschen macht. Das könnte ganz einfach, als umlaufsichernde Maßnahme, durch eine Hortungsgebühr erfolgen. Wie richtig mit Geld     umzugehen wäre, können wir von den vielen bereits existierenden Regionalgeldinitiativen lernen – in Schl.-H. dem KannWas – und

 

2.) eine Bodenreform, die die Spekulation mit Grund und Boden ausschaltet und jedem Menschen, unabhängig von Hausfarbe, Geschlecht, Rasse oder sonstigen Unterschieden, die Möglichkeit bietet, sich nach seinen      Fähigkeiten zu entwickeln.

 

Silvio Gesell sollte postum mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet werden, weil seine Vorstellungen zukunftsweisend sind und Befriedung der Menschen, Bewahrung der Umwelt und Erhaltung der Natur zur Folge hätten.

 

Aus ähnlichem Anlass hatte ich bereits in 2007 bei der Hochschultagung der landw. Fakultät der Universität Kiel den Nobelpreis für Silvio Gesell postum gefordert, allerdings ohne auf große Gegenliebe zu stoßen.

 

 

Dr. Frank Schepke

   Hof Seekamp

 

Siehe dazu auch  [1] http://www.hermann-benjes.de/


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