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Die Entdeckung des Semsi-Berges

Mittwoch, Oktober 13th, 2010


 

Jemand, der in Berlin am 13. März 189x rechtzeitig aufgestanden wäre, hätte Gelegenheit gehabt die Beobachtung zu machen, daß die Sonne im Osten aufging, wie sie es übrigens an anderen Tagen auch zu tun pflegte. Strahlend stieg sie am Himmel empor, vor ihrem Glanze verblichen die Leuchtkäfer der Erde und die bösen Geister, welche die Erde in Nebel hüllen, um besser im Trüben ihr Unwesen zu treiben, zogen sich mit Zögern und grollend in ihre Schlupflöcher zurück. 

 

 Mit dieser Einleitung hoffe ich der guten Sitte, jedes Gespräch mit Wetterbetrachtungen zu beginnen, den schuldigen Tribut gezollt zu haben und nun zur Sache:

Der Finanzminister hatte wieder einmal ein Defizit von so und so vielen Millionen zu Stande gebracht; er hatte sich darum wegen einer Anleihe mit dem Bankier in Verbindung gesetzt und erwartete nun stündlich dessen Besuch. Da klopft es. Endlich, sagt der Minister; hoffentlich bringt er günstige Nachrichten. Statt des Bankiers trat aber der Briefträger herein, er brachte einen Brief von Dr. Schnüffler. Dr. Schnüffler war als tüchtiger Gelehrte weit und breit bekannt; als Geologe genoß er einen Weltruf. Er war von der Regierung nach dem Spreewald gesandt worden, um auf Staatskosten Bohrungen vorzunehmen, weil man dort Petroleumquellen vermutete.

Dr. Schnüffler schrieb: Meine Bohrungen nach Petroleum sind bisher leider ohne Erfolg gewesen, obwohl der Bohrer jetzt schon 5000 Fuß tief gedrungen ist. Wenn auch dieser Mißerfolg zu beklagen ist, so haben doch die Arbeiten anderweitige für die Wissenschaft höchst wertvolle Resultate ergeben. Ich glaube alles gesagt zu haben, wenn ich behaupte, daß ich dem Geheimnis der Anziehungskraft der Erde auf der Spur bin. Aber auch sonst für die industriellen Interessen des Landes sind die Arbeiten von Nutzen; die Bohrungen haben ergeben, daß in einer Tiefe von 1000 Fuß unter dem Meeresspiegel die Erde aus massiven Metallen besteht, und zwar lagern die Metalle hier in mächtigen Schichten übereinander in der genauen Reihenfolge ihres specifischen Gewichtes. Aluminium zu oberst, Gold und Platin zu unterst, d. h. bis wohin der Bohrer gedrungen ist. Es ist wahrscheinlich, daß weiter tiefer noch andere uns vollständig unbekannte Metalle lagern, Metalle, deren Eigentümlichkeiten uns vielleicht manches Geheimnis der Natur enthüllen werden. P.S. Ich vergaß zu sagen, daß ich das Gold, welches der Bohrer zu Tage förderte, per Bahn an Ew. Excellenz absandte. Es werden 2–3000 Kilo sein. Wenn Ew. Excellenz noch mehr von dem Metalle zu heben wünscht, so kann dem Wunsche leicht entsprochen werden. Wie gesagt, scheint die ganze Erde, in einer Tiefe von 5000 Fuss eine mächtige Goldschicht zu umhüllen. Donnerwetter, sagte der Minister, dies ist ja eine höchst sonderbare Nachricht; Dr. Schnüffler spricht da von 3000 Kilo Gold, als ob das gar nichts wäre und doch genügt diese Summe zur Deckung des Defizits; des Defizits, welches mir schon seit Wochen den Schlaf raubt. Er war mit seinen Betrachtungen noch nicht so weit gekommen, als auch schon ein schwerer Lastwagen angefahren kam und vor seiner Tür hielt. Es war die Goldsendung.

Das kostbare Gold, welches Dr. Schnüffler sandte. Viele zentnerschwere Blöcke lagen da aufgetürmt und eine grosse Menschenmenge gaffte dieselben neugierig an. Sprachlos stand der Minister da, er war glückselig; die ganze Tragweite des Ereignisses konnte er nicht erfassen, und das war auch nicht zu verlangen. Schliesslich kommt er doch wieder zur Besinnung; er eilt zum König. Der König wundert sich nicht wenig; er vereinigt um sich die Großen und Weisen des Reiches zur Beratung. Das Ergebnis dieser Beratung war, ein Regiment Pioniere dem Dr. Schnüffler zur Verfügung zu stellen und den selben anzuweisen, mit allen Kräften die Goldausgrabungen zu betreiben. Es dauert gar nicht lange und schon treffen die ersten Sendungen ein. Ganze Eisenbahnzüge massiven Goldes treffen ein und die Reichsbank übernimmt es, die kostbaren Schätze aufzunehmen. Aber schon die nächstfolgenden Sendungen bringen die Bankverwaltung in Verlegenheit; man weiß nicht, wohin mit dem Golde. Die Kassen sind voll, die Keller sind voll und die Sendungen hören nicht auf. Herr! Höre auf mit deinem Segen, heißt es jetzt. Dr. S. wird angewiesen die Ausgrabungen einzustellen; aber schon war es zu spät. Die Nachricht von dem fabelhaften Goldfunde hatte sich natürlich mit Windeseile über das ganze Reich verbreitet. Es bestätigt sich, daß wie Dr. S. es vermutete, die Erde in gewisser Tiefe von massivem Gold umkleidet ist. Überall werden Bohrer angesetzt, Loch an Loch reiht sich, bald sieht das deutsche Reich aus wie ein Sieb. Riesige Berge Goldes werden zu Tage gefördert, alle Bewohner des Landes sind zu Grubenarbeitern geworden, an Landbau dachte keiner mehr. Es war natürlich, daß sich bald ein Mangel an Lebensmitteln einstellen würde. Nach England und Amerika wird schleunigst telegraphiert und bereitwillig wird das Bestellte geschickt. Die Deutschen sind ja jetzt so reich, die Rechnungen laufen kein Risiko, nicht bezahlt zu werden. Die Dampfer bringen Lebensmittel an, goldbeladen fahren sie zurück. Die englische Bank übernahm es, die ersten Sendungen des edlen Metalles in ihren weiten und wohlverwahrten Kasten aufzunehmen Es ging da sehr viel hinein. Aber schon die zweite Sendung brachte das Direktorium in Verlegenheit. Das schleunigst zusammenberufene Bankdirektorium beschließt, um den erwarteten weiteren Sendungen Platz zu schaffen, den Diskont auf anfänglich 2% dann 1 % zu erniedrigen, und als noch in Folge dieser Maßregel die Depositen nicht schleunig genug zurückgezogen, wurde beschlossen, nicht allein den Diskont ganz fallen zu lassen, sondern sogar für Depositen Lagerspesen zu erheben. diese Maßregel brachte jetzt das in der Bank aufgestapelte Gold in Fluß. Die erste Folge war, daß man mit großer Liberalität die Wechsel diskontiert; Leute denen man früher keinen Pfennig anvertraut hatte, genossen des weitgehendsten Kredits. Man wußte ja nicht, wohin mit dem Gelde. Alle hatten jetzt Geld und dieser Reichtum wuchs mit den täglich neu eintreffenden Goldsendungen. Man fing an das Gold weniger zu schätzen. Die Preise sämtlicher Waren stiegen; was früher für 1 erhältlich, kostete jetzt 2, 5 10, 50. Aber die Goldsendungen ließen nicht mehr nach. Die Dampfer genügten nicht mehr, um den Verkehr mit Deutschland zu bewältigen. Den Linien Asiens, Lybiens, Egypten’s mußten Dampfer entzogen und in die Hamburger Linie gestellt werden. Mit Gold beladen kehrten alle zurück. Man fing an, das Gold zu verachten. Gegenstände, die man bisher aus Eisen herstellte, sie werden jetzt aus Gold gemacht. Radreifen, Eisenbahnschienen, Eisen um den Schmutz der Stiefel zu entfernen etc. etc. sie wurden aus Gold gemacht. In den Strassen fand man leere Petroleumbüchsen, Hufeisen etc. von Gold, keiner hob sie auf. Dem Gold war die Larve abgezogen, das Gold war wertlos. Rothschild, du bist ein armer Teufel geworden, dein Reichtum war auf Gold gebaut und keiner gibt mehr ein Butterbrot dafür. Du bist arm wie Job. Den Sultan der Türkei kannst du nicht länger mehr zwiebeln, seine Schulden zahlte er zurück mit Zins und Zinseszinsen. Dieselben die früher vor dem Glanze deines Goldes in den Staub vor dir niederfielen und dich in den Adelsstand erhoben, sie achten dich nicht mehr, du bist nicht mehr als ein armer Tropf. 90 Tage Sicht zahlen sie gegen diese Primawechsel etc. Sorgen hatte der Kaufmann gehabt, das Gold immer zu rechten Zeit zusammenzubringen. Lange Nächte hat er schlaflos in seinem Bette nach einem rettenden Gedanken gesucht – um sonst –. Die 90 Tage verstrichen und der Exekutor stand vor der Tür. Heute ist es anders. Die 90 Tage sind verstrichen, aber nicht mehr mit dem Angstgefühl früherer Tage, erwartet er den Kassenboten, der ihm den Wechsel vorzeigen sollte. Geld hatte er jetzt genug. Er wartete übrigens auch um sonst, der Kassenbote kam überhaupt nicht, der Wechselinhaber hatte den Wechsel zerrissen, er hielt es nicht der Mühe wert, denselben einzukassieren.

He, Hallo, Freund Basurero, willst du so gut sein, diesen Geldschrank mit auf deinen Karren zu nehmen. Der Kasten steht mir hier im Wege; nimm ihn mit, mein lieber Basurero, du kannst ihn zu Haus als Hühnerstall benutzen.

Guten Morgen Fräulein, wie geht es Ihren werten Buckeln und Pockennarben und Geldsäcken, wo ist der Kranz Ihrer Verehrer?

Danke schön, Herr Nachbar, Puckel und Pockennarben blieben, meine Verehrer verscheuchte mehr die Entwertung des Geldes als meine Pockennarben.

 

Auszug aus: Silvio Gesell, Die Reformation im Münzwesen als Brücke zum Socialen Staat

“Banken erfinden Geld aus Luft”

Mittwoch, Oktober 13th, 2010

Warum das Finanzsystem ein Betrugsmodell ist, was Bilanzen damit zu tun haben und warum der ultimative Crash droht, erklärt der Wiener Wirtschaftwissenschafter Franz Hörmann

Für Franz Hörmann, Professor an der Wirtschaftsuniversität in Wien, ist die Zeit der Banken und des Geldes vorbei. Ein Paradigmenwechsel sowohl in den Wirtschaftswissenschaften, als auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht, ist für ihn unumgänglich. Im Gespräch mit derStandard.at erklärt er, warum wir die Banken getrost ignorieren können, die freien Märkte “Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten” sind und noch in den nächsten drei Jahren der Zusammenbruch des gesamten Systems droht.

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Das perefekte Verbrechen ?!

Mittwoch, Oktober 13th, 2010