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Extremsparer -
Dieser Eintrag stammt von MM Am 18.5.2010 @ 16:41 In Grundsätzliches | Keine Kommentare
wie vom wilden Affen gebissen
So oft haben wir es in den letzten Tagen wieder über uns ergehen lassen müssen, dass giftige Gewäsch, man solle, könne, dürfe mit Extremisten und ihren extremistischen Parteien nicht sprechen und schon gar nicht koalieren.
Wie kommt es eigentlich, dass immer nur die LINKE als “extremistische Partei” verunglimpft wird? Wenn jeder, der eine Position standhaft vertritt, als Extremist beschimpft werden darf, dann sollte doch bitte auch zuallererst der rechtsliberalextreme Steuersparprediger Westerwelle als Extremist bezeichnet werden, dann sollte der rücksichtslos und weitab von der Mitte seiner eigenen Partei immer wieder mit äußerst extremen und populistischen Kampfansagen auftretende Roland Koch als das bezeichnet werden, als was er dem normalsterblichen Medienkonsumenten erscheint, nämlich als Extremist.
Da aber kann der liebe Roland tun und lassen, beklagen und einfordern was immer er will, ihn einen Extremisten zu nennen, verstieße gegen jene Form politischer Angepasstheit, die man braucht, um sich in den privaten wie in den öffentlich-rechtlichen Medien ein warmes Plätzchen zu sichern - und es passt natürlich auch nicht zu der Definition, die sich verfassungsrechtlich herausgebildet hat.
Aber Roland Koch ist bei weitem nicht der einzige jener “umgangssprachlichen” Extremisten und Fanatiker, die sich alternativlos für ihren rechten Glauben einsetzen und keine andere Meinung neben sich gelten lassen, die im Handstreich bereit sind, im Namen des deutschen Volkes hunderte Milliarden von Schulden einzugehen und dabei, als seien sie schon nicht mehr von dieser Welt, mit verklärtem Blick die Litanei von der Schuldenbremse und vom Paradies der ausgeglichenen Haushalte herunterbeten, die die Sünder verfluchen, die nach ihrer Wahrnehmung über Jahrzehnte über ihre Verhältnisse gelebt haben, und die jetzt schon wieder unerbittliches Sparen einfordern.
Der Kapitalismus ist ein System, das zyklisch krisenhafte Zustände hervorbringt.
Und in jeder dieser Krisen erheben sich die Stimmen jener unbelehrbaren Extremsparer, die glauben machen wollen:
Wenn die Menschen erst einmal aufhören zu konsumieren,
wenn sie aus den Mietwohungen aus- und unter die Brücken ziehen,
wenn sie aufhören, Brot und Margarine, Presschinken und Analogkäse beim Discounter einzukaufen, und stattdessen unter den Brücken mit knurrendem Magen die spärlichen Abfälle fressen, die sich noch finden lassen,
wenn sie sich Lumpen und Zeitungspapier um die erforenen Fußzehen wickeln und sich am Morgen darum prügeln, wer die Schuhe der in der Nacht Verreckten anziehen darf,
dann endlich lebt niemand mehr über seine Verhältnisse, dann endlich werden alle Schulden getilgt, dann endlich wird es uns allen nicht nur besser, sondern endlich gut gehen…
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