Diskurs “Apfelbriefaktion”

Am 10.01.2008 um 15:39 schrieb Volker Lüderitz:

Sehr geehrte Damen und Herren,
was Sie im sog. Apfelbrief über die Naturschutzverbände BUND und NABU verbreiten, ist so ein himmelschreiender Blödsinn, dass Sie ihn überdenken oder sich auf Ihren Geisteszustand hin untersuchen lassen sollten! Wem oder was nur sollen diese Tiraden dienen?

Mit verwunderten Grüßen

V. Lüderitz

Prof. Dr. Volker Lüderitz
Hochschule Magdeburg-Stendal

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Michael Musil schrieb:

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Lüderitz, werte Geschäftsstellenleiter,

es freut uns wenn wir auf den Apfelbrief Reaktionen erhalten die uns zeigen, dass er zumindest wahrgenommen wird. Dass er verstanden wird erleben wir in seltenen Ausnahmefällen. So konnten in der Vergangenheit hohe kirchliche Würdenträger und die Mitglieder der SPD vereinzelt durchaus den Sinn der Aktion erkennen. Auch NABU und BUND gehören jetzt zur Gruppe derer, die nicht von sich behaupten können: “Davon haben wir nichts gewusst”.
Was Sie als “himmelschreienden Blödsinn” bezeichnen ist das Ergebnis eines innerverbandlichen Wettbewerbs, den der Freiwirtschaftsbund unter seinen Mitgliedern zur Formulierung des Briefes ausschrieb. Der letztverantwortliche Redakteur und Initiator des Briefes Hermann Benjes, konnte den Erfolg leider nicht mehr erleben. Kurz nach Drucklegung des Briefes verstarb er leider. Das hindert den Freiwirtschaftsbund aber nicht daran, die zwanzigtausend Exemplare auf allen Ebenen der beiden Naturschutzverbände an den Mann und die Frau zu bringen.
Was die Führungsriege der beiden Naturschutzverbände nicht wahrhaben will, soll der Basis nicht vorenthalten bleiben. Bitten um ein Gespräch im Vorfeld wurden von beiden Verbänden zurückgewiesen.
Dass sich die Naturschutzverbände mit den Ursachen der Umweltzerstörung so schwer tun hat sicher seine Gründe, würde die Beseitigung selbiger doch den Vereinszweck erübrigen. Das will weder der ADAC, der DGB,VERDI noch der BUND oder der NABU. Insofern lebt es sich in der Ignoranz der Tatsachen sehr bequem wenn auch zunehmend unkomfortabler, da genau diese ignorierten Gründe mit dafür ursächlich sind, daß die Mitgliederzahlen in allen beitragsbewährten Vereinen rückläufig sind. Das merkt der Einzelhandel und das merkt die Autoindustrie. Nur die Entscheidungsträger in der Republik zeigen sich dauerhaft “merkresistent”.
Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir mit unserem “himmelschreienden Blödsinn” fortfahren und dem “bodenlosen Starrsinn” in diesem Lande Paroli bieten.

Gerne sind die Vertreter unseres Verbandes bereit Nachhilfe in Sachen Freiwirtschaft zu erteilen. Einladungen zu Gesprächen werden immer angenommen.

Mit freundlichem Gruß
Deutscher Freiwirtschaftsbund
Michael Musil

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Am 11.01.2008 um 09:11 schrieb Volker Lüderitz:

Sehr geehrter Herr Musil,
da Sie sich die Zeit genommen haben, so umfangreich auf meine wenigen und zudem wenig freundlichen Zeilen zu reagieren, will ich nicht den Eindruck erwecken, als gehörte ich zu denen, die sich jedem Dialog verweigern. Für einen umfänglichen Brief fehlt mir allerdings die Zeit, deshalb hier nur einige Bemerkungen.
Zunächst zu meiner Person: Ich bin Ökologieprofessor an der Hochschule Magdeburg-Stendal, Dekan und seit 10 Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt des BUND. Bei den kommenden BUND-Wahlen werde ich mich nicht erneut zur Wahl stellen, weil ich der Meinung bin, jedes Amt sollte seine zeitliche Grenze haben. In den 10 Jahren meines Vorsitzes habe ich nicht einen Cent vom BUND erhalten und mich doch nicht eine Sekunde ausgebeutet gefühlt! So wie mir geht es Hunderttausenden “Überzeugungstätern”, ob Sie das nun wahrhaben wollen oder nicht.
Meine bisherige Bundesvorsitzende Dr. Angelika Zahnt, ihr Vorgänger Hubert Weinzierl und ihr Nachfolger Prof. Dr. Hubert Weiger sind beeindruckende und aus ihrem Inneren heraus zutiefst der Natur verbundene Persönlichkeiten, die sich stets ohne Rücksicht auf persönliche Vor- oder Nachteile für die Ziele einer nachhaltigen, umweltverträglichen Entwicklung eingesetzt haben. Ihnen zu unterstellen, sie würden die Wurzeln der Umweltprobleme ignorieren, um so die Existenzberechtigung der Verbände zu sichern, ist hanebüchen!
Was nun sind die Ursachen der Umweltprobleme? Wenn ich die Freiwirtschaft richtig verstanden habe, ist das aus Ihrer Sicht der Zins. Ich oute mich an dieser Stelle mal ehrlich als Mensch, der dem Zins nichts Positives abgewinnen kann und der Plutokratie mehr als kritisch gegenübersteht. Aber zu glauben, dass die Freiwirtschaftsordnung auf einen Schlag die Ursachen der Umweltprobleme beseitigen würde, ist doch schlicht naiv! Mit weit über 6 Mrd. Menschen auf der Erde und 80 Mio. in Deutschland wird es die Konflikte zwischen der Zivilisation und den natürlichen Grundlagen menschlichen Lebens immer geben. Also werden auch Umweltverbände auf unabsehbare Zeit notwendig sein- ob in derselben Form wie heute, sei dahingestellt.
Meine Meinung zu den Ansätzen der Freiwirtschaft: Die sind mir nicht mal unsympathisch, aber ich sehe keine Chance auf Realisierung! Den allermeisten Menschen wohnt nun mal eine Gier nach mehr inne, die das gegenwärtige Wirtschaftssystem prächtig bedient, wenn auch für die meisten nur als Illusion. Deshalb halte ich den Kapitalismus – den ich verabscheue – leider für das Wirtschaftssystem, das der Natur des Menschen am meisten entspricht. Eine Alternative werden ich, meine Kinder und Kindeskinder wohl nie erleben….

Beste Grüße

V. Lüderitz

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One Response to “Diskurs “Apfelbriefaktion””

  1. Sehr geehrter Herr Lüderitz,

    ich erlaube mir, mich an dieser Stelle in die Diskussion einzumischen, da kein ökonomischer Laie (dazu gehören alle Nicht-Freiwirtschaftler) einem Freiwirtschaftler Naivität vorwerfen kann. Rational wohlbegründet funktioniert das immer nur in die Gegenrichtung. Tatsächlich ist der “Kampf für die Umwelt” in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem immer ein Kampf gegen Windmühlen, der auch bei größtem Engagement prinzipbedingt nicht zu gewinnen ist, weil allein der Renditezwang aller Sachkapitalien eine friedliche Koexistenz der kapitalistischen Kultur mit der sie umgebenden Natur ausschließt. In einer kapitalistisch pervertierten Marktwirtschaft ist die Ausbeutung aller natürlichen Ressourcen einerseits und die Verschmutzung der Umwelt durch industriellen Abfall andererseits immer rentabler als alle industriellen Produktionsprozesse nach dem jeweiligen Stand der Technik in geschlossene Kreislaufprozesse zu überführen.

    In der Natürlichen Wirtschaftsordnung müssen Sachkapitalien aber nicht mehr “kurzfristig rentabel” sein, sondern nur noch “langfristig wirtschaftlich”. Das führt einerseits zu einer deutlichen Vermehrung von Sachkapitalien aller Art, die aber andererseits quasi in die Natur hinein designed werden. Sobald die Finanzierung neuer Sachkapitalien keine “Zinsschleppe” mehr hinter sich herzieht, werden Kreislaufprozesse und regenerative Energien automatisch wirtschaftlicher als Raubbau und Müllhalden, was zu einem harmonischen und selbstregulativen Gleichgewicht zwischen Kultur und Natur führt.

    Man muss also gar nicht “kämpfen”, um die Natur zu retten, sondern es geht lediglich darum, mit der Natürlichen Wirtschaftsordnung nicht nur den Weltfrieden und allgemeinen selbstverständlichen Wohlstand, sondern auch eine ideale Synthese von Kultur und Natur herzustellen. Den Gesamtzusammenhang vermittelt der folgende Artikel:

    http://www.deweles.de/files/soziale_marktwirtschaft.pdf

    Beste Grüße

    Stefan Wehmeier

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