Archive for Februar, 2009

Worin besteht die kapitalistische Ausbeutung?

Donnerstag, Februar 26th, 2009

Auf diese Frage wurde in einer Arbeiterzeitung wie folgt geantwortet: “Der Kapitalist holt sich den Arbeiter vom Markt und gibt ihm als Lohn den notdürftigen Lebensunterhalt. Das, was der Arbeiter darüber hinaus schafft, gehört dem Unternehmer als Mehrwert oder Profit. Aus diesem Profit besteht die kapitalistische Ausbeutung.”

Diese Erklärung der Ausbeutung stimmt nicht mehr ganz mit den modernen Tatsachen überein. Zur Zeit, als Marx sein „Kapital“ schrieb und es noch so gut wie keine Arbeiterorganisationen gab, da mochte es wohl auf dem Arbeitsmarkt allgemein so zugegangen sein, wie es Seume in dem Gedicht „Der Kanadier“ so schön beschrieb. Aber wo ist der Arbeiter, der heute noch ohne „schlaue Rednerkünste, so wie man ihm bietet“, sein Arbeitsprodukt für ein Geringes hingibt, und der einfach als Lohn annimmt, was ihm geboten wird? Der Lohnvertrag hat heute genau denselben Charakter, den der Kuh- und Roßhandel haben. Jeder nimmt, so viel er kann. Der Bauer bürstet das Pferd, ehe er es zu Markte bringt, und der Unternehmer sucht seine Profitfalle äußerlich durch Anstrich so anziehend wie möglich zu gestalten, um die Arbeiter anzulocken, damit das so verstärkte Angebot von Arbeitern einen Lohndruck ausübt. Auch der Arbeiter selbst sucht sich von der besten Seite zu zeigen. Kurz, um den Lohn wird gemarktet. Bei diesem Markten kommt dem Unternehmer niemals die Frage in den Sinn, ob der Lohn für des Lebens Notdurft genügt – eher schon denkt er dabei an sich selbst, ob bei dem vom Arbeiter geforderten Lohn sein Profit für seine Lebensansprüche groß genug bleiben wird. Auf alle Fälle denkt beim Lohnvertrag jede der beiden Parteien ausschließlich an sich selbst. Die untere Grenze des Lohnes, die oft weit unter der Notdurft des Lebens steht (wie viele Arbeiter-Geschlechter sind so im Elend schon zugrunde gegangen!) wird von keinerlei moralischen Faktoren, sondern von den Marktverhältnissen autokratisch gezogen. Die Obere Grenze des Lohnes dagegen, die sich oft weit von ersterer entfernt, wird ausschließlich von der Rentabilität des Unternehmens gezogen. Sobald der Arbeiter Lohnforderungen stellt, die die historisch normale Rentabilität des Unternehmens – etwa 4–5% des Kapitals –in Frage stellt – so unterbleibt das Unternehmen, d. h. dann streikt der Kapitalist.

Über diesen historisch normalen Satz von 5% kann sich aber die Profitrate dauernd nicht erhalten – den jede Überschreitung desselben lockt die Konkurrenz, lockt Kapital heran, nötigenfalls aus allen vier Himmelsrichtungen und Erdteilen. Wenn in der Schweiz 15–20 Milliarden Kapital in festverzinslichen Papieren zu 4–5% angelegt wurden (Bundes-, Staats- und Gemeindeanleihen, Hypotheken, Pfandbriefe usw.), so beweist das klar genug, daß „bei den heutigen Löhnen“ in sicheren Unternehmungen nicht mehr als 4–5% herauszuwirtschaften sind. Die Ausbeutung des Arbeiters findet darum auch nur zum geringsten Teil in der Fabrik statt. Dem Arbeiter wäre wenig geholfen, wenn der Unternehmer den Mehrwert mit ihm teilen würde. Wenn z. B. ein Spinner mit einem Kapital von 1 Million 1000 Arbeiter beschäftigt und dabei normalerweise im Jahre 5% Profit (Zins, Mehrwert, Dividende) herauswirtschaftet, so sind das 50.000 Franken oder 50 Franken auf den Arbeiter, also 1 Franken wöchentlich. Wenn das aber die ganze Ausbeutung wäre – wer würde sich dann noch über den Kapitalismus entrüsten? Aber die Ausbeutung des Arbeiters durch den Unternehmer bildet nur einen winzigen Teil der Gesamtausbeutung. Die Ausbeutung verfolgt vielmehr den Arbeiter auch außerhalb der Fabrik auf Schritt und Tritt. Schon allein für die Wohnungsmiete nimmt der Hauswirt, der doch keinen einzigen Arbeiter beschäftigt – dem Arbeiter 20–25–30% des Lohnes wieder ab, also das Zehnfache von dem, was ihm der Unternehmer in der Fabrik abnahm, als Zins für das Hauskapital. Der Preis des Eisenbahnfahrscheines besteht zur Hälfte aus Zinsen für das Eisenbahnkapital, aus Zinsen besteht auch ein bedeutender Teil der Warenpreise.

Der Zins der städtischen Gasanstalten, der Kanalisation, der Theatergebäude, des Schlachthofes, der städtischen, staatlichen, eidgenössischen Schulden – das alles geht – meistens in den Preisen der Waren verrechnet – vom Lohn ab. Wenn diese Drainage nicht wäre, so könnte der Arbeiter mit dem Lohn herrlich und in Freuden leben. Es genüge, hier zu sagen, daß das Kapital der Schweiz auf etwa 40 Milliarden geschätzt wird und daß hiervon – sicherlich keine 10 Prozent den Unternehmern gehören. Der Schweizer Arbeiter mußte jene 40 Milliarden alle 20 Jahre einmal als Zins zahlen (5% gerechnet), und vom diesen 40 Milliarden werden kaum 4 Milliarden auf die Unternehmer fallen. Den Rest nehmen die Rentner, die „stillen Teilhaber“, die sich so wunderfein vor den Augen der Arbeiter – selbst in der sozialistischen Tagespresse – zu verbergen wissen. Der Unternehmer ist meistens nur der Büttel der Rentner, ein Puffer zwischen dem Rentner und dem Arbeiter. Die Frage, die sich mit dieser Darstellung der Ausbeutung aufdrängt, ist die: Woher kommt es, daß der Kapitalist streikt und streiken kann, wenn die Lohnforderung der Arbeiter die historische Minimalprofitrate von 5% nicht mehr gewährleistet? Auf diese Frage vermag heute allein die Freigeld-Kapitaltheorie eine Antwort zugeben.

Acratillo. (Pseudonym für S. Gesell/Die Red.)

Aus Band 10 Seite 195/196

Über die Geheimloge der Banker

Donnerstag, Februar 26th, 2009

Der Berner Schriftsteller Lukas Hartmann wirft einen Blick von aussen auf ein geschlossenes System.

Lukas Hartmann, geboren 1944, ist freier Schriftsteller und lebt in Bern. Gerade ist bei Diogenes sein Roman «Bis ans Ende der Meere» erschienen.

Warum äussern sich die Intellektuellen nicht zur Finanzkrise? Weil sie befürchten, dass ihre Meinung als inkompetent gilt? Oder weil ökonomische Zusammenhänge jenseits ihres Interessenhorizonts liegen?

Ich habe mich lange selbst nicht getraut, hier mitzureden. Immer wieder strengte ich mich im Lauf der Jahre an, mir das ökonomische Grundwissen anzueignen, und kam, alles in allem, über die Anfängerstufe nicht hinaus. Ich empfand es als Mangel, so wenig von wirtschaftlichen Zusammenhängen zu verstehen. Natürlich las ich die Zeitungen und bekam mit, was für unwahrscheinliche Gewinne am Finanzmarkt gemacht wurden. Manchmal schalt ich mich einen Narren, dass ich nicht selber irgendwelche gewinnversprechenden Derivate erwarb. Aber die Vorsicht überwog; ich verstand einfach zu wenig, worum es da konkret ging und was mit meinem Geld geschehen würde.

Nun aber, seit dem Fast-Kollaps des ganzen Systems, habe ich begriffen, dass auch die Sachverständigen, die den unaufhaltsamen Gewinnzuwachs predigten, letztlich nicht verstanden, was sie taten. Und es wird immer klarer, dass sie noch heute nicht verstehen wollen, was ihr Handeln oder ihr Wegschauen bewirkte. Mir scheint, nicht nur hier – aber auch hier – kann der Blick von aussen erfassen, was Insider ausblenden oder verdrängen, und ich greife darum drei Punkte auf, die nach meiner Meinung in der ganzen Diskussion zu kurz gekommen sind.

1. Das System in Frage stellen
Das geltende Finanzsystem als Ganzes wurde bisher kaum ernsthaft in Frage gestellt. Es geht offensichtlich bloss um seine Reparatur und darum, möglichst rasch wieder möglichst viel Geld verdienen zu können. Ich meine hier keineswegs, dass der Slogan von der «Überwindung des Kapitalismus» aus der marxistischen Mottenkiste hervorgeholt werden soll. Aber es wäre dringend nötig, die Anreize und die Wirkungsweise der heutigen Zinswirtschaft genau zu analysieren und nach Alternativen zu fragen.

Der Zins, von vielen mit der Rendite gleichgesetzt, ist eine der Antriebskräfte im real existierenden Kapitalismus. Es sind die völlig unrealistischen Renditeversprechen, die das Kredit- und Investitionssystem unmässig aufgebläht haben. Wenn Berater und Kunden sich in gemeinsamer Gewinngier verbünden, dann wird offensichtlich der Verstand ausgeschaltet. Nach aller Erfahrung – und einem Blick auf die Wirtschaftsgeschichte – wissen wir, dass ein Renditeziel, das über 5 Prozent hinausgeht, auf längere Sicht hoch riskant ist. Dennoch will bei uns niemand darüber nachdenken, was es zum Beispiel bedeuten würde, hier prozentuale Obergrenzen – oder zumindest Bandbreiten – vorzuschreiben.

Einer der bedeutenden Ökonomen des 20. Jahrhunderts, Silvio Gesell, hat über solche Zusammenhänge gründlich geforscht. Er sah das Geld als Tausch- und nicht als Hortungsmittel, er forderte die Einführung von «Freigeld» und glaubte, dadurch Konjunkturausschläge verhindern zu können. Gesell wurde zu seiner Zeit von links und von rechts verlacht. John Maynard Keynes allerdings, der grosse Theoretiker der Nachfragepolitik, der heute wieder viel zitiert wird, forderte 1944 für das Bretton-Woods-Abkommen, ganz im Sinne Gesells, eine «umlaufgesicherte» internationale Währung. Das Horten, das spekulative Zurückhalten von Geld sollte mit einer Nutzungsgebühr belegt werden, der Zins bis auf null sinken.

So würde «neutrales» Geld entstehen; und weil dadurch der Geldbesitz nicht mehr im gleichen Mass belohnt würde, hätte dies positive Auswirkungen auf den Geldumlauf. Diese «Umlaufsicherung» würde den ungerechten Vorteil des Geldes gegenüber verderblichen Sachgütern und dem Gut der Arbeitskraft vermindern. Keynes nannte seine Weltwährung «Bancor»; er fand dafür keine Mehrheit. Im Licht der neusten Entwicklungen wäre es an der Zeit, wieder ernsthaft über seine Vorschläge zu diskutieren.

2. Die Psychologie der Banker
Zu wenig nachgedacht wurde bis heute auch über die kollektiven Denk- und Verhaltensweisen der Investmentbanker. Zwar brachte der «Spiegel» eine Titelgeschichte über ihre Schamlosigkeit; er begnügte sich aber damit, Beispiele individueller Masslosigkeit aufzuzählen und damit die allgemeine Empörung zu schüren, und er versäumte es, die sozialpsychologischen Gründe dafür zu durchleuchten. Ich fände es erhellend, die obersten Schichten der Bankenwelt mit Geheimlogen zu vergleichen, die untereinander in komplizierten Codes kommunizieren und gegen aussen das, worum es ihnen wirklich geht, systematisch vertuschen und abstreiten.

Ein solches Verhalten führt, sobald es genügend verinnerlicht ist, früher oder später zu einer Art Autismus, der bewirkt, dass die Aussenwelt nur noch verzerrt oder gar nicht mehr wahrgenommen wird. Was Logenbrüder für richtig halten, wie sie leben, was sie für sich anhäufen, wird zum alleinigen Massstab. Was tut jemand mit zehn, zwanzig, vierzig Millionen Franken, die er pro Jahr erhält? Diese Frage stellt sich gar nicht, solange solche Einkünfte, innerhalb des geschlossenen Zirkels, als normal gelten.

Um die Logenbrüder (auf den Führungsetagen fehlen die Frauen völlig) mit der Realität zu konfrontieren, gibt es nur ein Mittel: Transparenz. Sie müssen, ganz ohne Floskeln und Verschwommenheiten, den «Normalbürgern» erklären, was sie tun und wie sie es tun, sie müssen deutsch und deutlich erklären, wohin das Geld fliesst, das ihnen anvertraut wird, sie müssen nachweisen, woher ihr Lohn kommt und wie sie ihn begründen.

3. Verständlichkeit fordern
Das ist ja, drittens, mein eigenes Bedürfnis: Ich will verstehen, ich fordere Verständlichkeit auf jeder Ebene; und das sollte auch die Politik tun, wenn die Banker nicht fähig sind, ihre Sprache – und damit ihr Verhalten – zu ändern. Verstehen setzt voraus, dass Wörter und Sätze wirklich meinen, was sie bedeuten; Verstehen heisst: Sachverhalte und Zusammenhänge eindeutig erfassen. Verträge und Geschäftsbedingungen, in denen Begriffe wie Credit Default Swaps und Forward Rate Agreement unerklärt bleiben, gehören in den Papierkorb. Auch gegen dieses Bankenkauderwelsch, das zum Jargon der Begehrlichkeit geworden ist, müsste die Finanzmarktaufsicht eigentlich einschreiten. Sie wird es nicht tun; ihre Mitglieder sind Gefangene der Bankeninnensicht und ebenso wenig in der Lage, den Entrüstungssturm über Boni zu begreifen, wie die Führungsgremien der Grossbanken.

Meine Hoffnung, dass unbequeme Ideen von aussen etwas bewirken, ist offengestanden gering. Je verständlicher und einleuchtender sie sind, desto heftiger werden die Insider sie als «unqualifiziert» und «naiv» abtun. Es braucht einen noch grösseren Leidensdruck, bis der Kulturwandel, nach dem jetzt viele rufen, tatsächlich einsetzt.

Die Mitschuldigen werden sich eine Zeitlang hinter rhetorischen Abwehrmauern ducken. Wenn ihre PR-Berater ihnen raten, Zerknirschung zu zeigen, werden sie es tun und allenfalls Sündenböcke opfern, nie aber die Grundlagen eines mit falschen Anreizen gestützten Systems in Frage stellen. Die bankennahen Politiker – es sind viel zu viele – werden in die alten ideologischen Gräben zurückkehren und griffige Massnahmen verhindern, die in ihrer Sprachregelung «den Finanzplatz Schweiz gefährden».

Sobald der nächste Boom an den Börsen einsetzt, wird alles vergessen und verziehen sein; die nächste Spekulationsblase wird in zehn oder fünfzehn Jahren platzen, mit möglicherweise noch schlimmeren Folgen als heute. C’est ça. Auch darum wohl ziehen die Intellektuellen es vor, zu schweigen. Die «durchschlagende Wirkungslosigkeit» ihrer Interventionen ist ihnen allzu bewusst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.02.2009, 20:28 Uhr

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Die-Geheimloge-der-Banker-muss-ausgeleuchtet-werden/story/24879698

Diskurs “Apfelbriefaktion”

Dienstag, Februar 24th, 2009

Am 10.01.2008 um 15:39 schrieb Volker Lüderitz:

Sehr geehrte Damen und Herren,
was Sie im sog. Apfelbrief über die Naturschutzverbände BUND und NABU verbreiten, ist so ein himmelschreiender Blödsinn, dass Sie ihn überdenken oder sich auf Ihren Geisteszustand hin untersuchen lassen sollten! Wem oder was nur sollen diese Tiraden dienen?

Mit verwunderten Grüßen

V. Lüderitz

Prof. Dr. Volker Lüderitz
Hochschule Magdeburg-Stendal

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Michael Musil schrieb:

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Lüderitz, werte Geschäftsstellenleiter,

es freut uns wenn wir auf den Apfelbrief Reaktionen erhalten die uns zeigen, dass er zumindest wahrgenommen wird. Dass er verstanden wird erleben wir in seltenen Ausnahmefällen. So konnten in der Vergangenheit hohe kirchliche Würdenträger und die Mitglieder der SPD vereinzelt durchaus den Sinn der Aktion erkennen. Auch NABU und BUND gehören jetzt zur Gruppe derer, die nicht von sich behaupten können: “Davon haben wir nichts gewusst”.
Was Sie als “himmelschreienden Blödsinn” bezeichnen ist das Ergebnis eines innerverbandlichen Wettbewerbs, den der Freiwirtschaftsbund unter seinen Mitgliedern zur Formulierung des Briefes ausschrieb. Der letztverantwortliche Redakteur und Initiator des Briefes Hermann Benjes, konnte den Erfolg leider nicht mehr erleben. Kurz nach Drucklegung des Briefes verstarb er leider. Das hindert den Freiwirtschaftsbund aber nicht daran, die zwanzigtausend Exemplare auf allen Ebenen der beiden Naturschutzverbände an den Mann und die Frau zu bringen.
Was die Führungsriege der beiden Naturschutzverbände nicht wahrhaben will, soll der Basis nicht vorenthalten bleiben. Bitten um ein Gespräch im Vorfeld wurden von beiden Verbänden zurückgewiesen.
Dass sich die Naturschutzverbände mit den Ursachen der Umweltzerstörung so schwer tun hat sicher seine Gründe, würde die Beseitigung selbiger doch den Vereinszweck erübrigen. Das will weder der ADAC, der DGB,VERDI noch der BUND oder der NABU. Insofern lebt es sich in der Ignoranz der Tatsachen sehr bequem wenn auch zunehmend unkomfortabler, da genau diese ignorierten Gründe mit dafür ursächlich sind, daß die Mitgliederzahlen in allen beitragsbewährten Vereinen rückläufig sind. Das merkt der Einzelhandel und das merkt die Autoindustrie. Nur die Entscheidungsträger in der Republik zeigen sich dauerhaft “merkresistent”.
Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir mit unserem “himmelschreienden Blödsinn” fortfahren und dem “bodenlosen Starrsinn” in diesem Lande Paroli bieten.

Gerne sind die Vertreter unseres Verbandes bereit Nachhilfe in Sachen Freiwirtschaft zu erteilen. Einladungen zu Gesprächen werden immer angenommen.

Mit freundlichem Gruß
Deutscher Freiwirtschaftsbund
Michael Musil

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Am 11.01.2008 um 09:11 schrieb Volker Lüderitz:

Sehr geehrter Herr Musil,
da Sie sich die Zeit genommen haben, so umfangreich auf meine wenigen und zudem wenig freundlichen Zeilen zu reagieren, will ich nicht den Eindruck erwecken, als gehörte ich zu denen, die sich jedem Dialog verweigern. Für einen umfänglichen Brief fehlt mir allerdings die Zeit, deshalb hier nur einige Bemerkungen.
Zunächst zu meiner Person: Ich bin Ökologieprofessor an der Hochschule Magdeburg-Stendal, Dekan und seit 10 Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt des BUND. Bei den kommenden BUND-Wahlen werde ich mich nicht erneut zur Wahl stellen, weil ich der Meinung bin, jedes Amt sollte seine zeitliche Grenze haben. In den 10 Jahren meines Vorsitzes habe ich nicht einen Cent vom BUND erhalten und mich doch nicht eine Sekunde ausgebeutet gefühlt! So wie mir geht es Hunderttausenden “Überzeugungstätern”, ob Sie das nun wahrhaben wollen oder nicht.
Meine bisherige Bundesvorsitzende Dr. Angelika Zahnt, ihr Vorgänger Hubert Weinzierl und ihr Nachfolger Prof. Dr. Hubert Weiger sind beeindruckende und aus ihrem Inneren heraus zutiefst der Natur verbundene Persönlichkeiten, die sich stets ohne Rücksicht auf persönliche Vor- oder Nachteile für die Ziele einer nachhaltigen, umweltverträglichen Entwicklung eingesetzt haben. Ihnen zu unterstellen, sie würden die Wurzeln der Umweltprobleme ignorieren, um so die Existenzberechtigung der Verbände zu sichern, ist hanebüchen!
Was nun sind die Ursachen der Umweltprobleme? Wenn ich die Freiwirtschaft richtig verstanden habe, ist das aus Ihrer Sicht der Zins. Ich oute mich an dieser Stelle mal ehrlich als Mensch, der dem Zins nichts Positives abgewinnen kann und der Plutokratie mehr als kritisch gegenübersteht. Aber zu glauben, dass die Freiwirtschaftsordnung auf einen Schlag die Ursachen der Umweltprobleme beseitigen würde, ist doch schlicht naiv! Mit weit über 6 Mrd. Menschen auf der Erde und 80 Mio. in Deutschland wird es die Konflikte zwischen der Zivilisation und den natürlichen Grundlagen menschlichen Lebens immer geben. Also werden auch Umweltverbände auf unabsehbare Zeit notwendig sein- ob in derselben Form wie heute, sei dahingestellt.
Meine Meinung zu den Ansätzen der Freiwirtschaft: Die sind mir nicht mal unsympathisch, aber ich sehe keine Chance auf Realisierung! Den allermeisten Menschen wohnt nun mal eine Gier nach mehr inne, die das gegenwärtige Wirtschaftssystem prächtig bedient, wenn auch für die meisten nur als Illusion. Deshalb halte ich den Kapitalismus – den ich verabscheue – leider für das Wirtschaftssystem, das der Natur des Menschen am meisten entspricht. Eine Alternative werden ich, meine Kinder und Kindeskinder wohl nie erleben….

Beste Grüße

V. Lüderitz

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Greenspan rät den Golfstaaten, sich vom Dollar zu trennen

Dienstag, Februar 24th, 2009

Die Handlung des ehemaligen Zentralbankchefs könnte zu einem ökonomischen Chaos in Amerika führen 

Paul Joseph Watson
Prison Planet Tuesday, February 26th, 2008
          

“Es [die Abkehr vom Peg] ist wahrscheinlich das Nützlichste was getan werden kann um den steigenden Einfluss ausländischer Vermögenswerte auf das Geldsystem und folglich auf die Geldbasis zu stoppen, was im Prinzip die größte Kraft in inflationären Einflüssen ist,” 

sagte Greenspan gestern zu dem Abu Dhabi Corporate Leadership Forum.

“Kurzfristig wird das Free Floating nicht vollständig den inflationären Druck vermindern, jedoch wird es dies im bedeutenden Umfang tun,”

fügte Greenspan hinzu und gab somit den Golfstaaten das grüne Licht für die Abkehr vom Dollar-Peg. Laut Economist-Editor Pam Woodall, markieren Greenspans Aussagen den Anfang vom Ende des Dollars als die Währung der Wahl für ausländische Währungsreserven.

“Wenn asiatische Zentralbanken heute mehr als 80% der Währungsreserven halten, was die Verschiebung der weltweiten Wirtschaftsmacht nach Asien zeigt, dann scheint es ziemlich ungünstig dass die vereinigten arabischen Emirate immer noch den Peg ihrer Währung zu dem Dollar behalten,” 

… gegenüber Gulf News. 

 Der ehemalige Zentralbankchef hatte wiederholt den Dollar schlechtgeredet und die Unvermeidbarkeit eines ökonomischen Chaos’ heraufbeschworen; zu einer Zeit während das Vertrauen in den Markt im Keller ist. Der Internationale Währungsfond zeigte ähnliche Rhetorik im vergangenen Oktober, als man den Dollar bizarrerweise zu einem Zeitpunkt als “überbewertet” verurteilte, als der Greenback das Allzeittief gegenüber dem Euro erreicht hatte. Die Abkehr der Golfstaaten vom Dollar-Peg könnte international als ein Misstrauensvotum gegenüber dem Dollar gewertet werden, sodass andere Länder mit großen Dollarreserven wie China und Japan ihre Greenbacks im großen Maßstab abstoßen könnten.
China hat wiederholt mit der “nuklearen Option” gedroht sowie mit einem Abstoß der Dollarreserven als Reaktion auf den anhaltenden Druck auf das kommunistische Regime, den Yuan neu zu bewerten.
Laut einem weitverbreiteten Bericht im London Telegraph könnte ein solches Ereignis einen “Dollar-Crash auslösen” und auch die gesamte US-Wirtschaft in eine Rezession treiben.
Eine gewaltige Inflation könnte die Lebenserhaltungskosten sogar für Amerikaner der Mittelklasse unerschwinglich machen; die internationale Hilfsorganisation World Food Programme spricht bereits von Aufständen und Nahrungsrationierungen.

Vorboten in der TAZ vom Jan08

Dienstag, Februar 24th, 2009

Chinesen steigen in Citigroup ein
Geldspritze soll Verlust aus Immobilienkrise lindern. Weil auch andere Konzerne betroffen sind, rechnen Experten für diese Woche mit schlechten Nachrichten aus USA

NEW YORK dpa/rtr Der größte amerikanische Finanzkonzern Citigroup könnte nach hohen Verlusten laut einem Medienbericht eine Milliardenfinanzspritze aus China bekommen. Es werde erwartet, dass die China Development Bank rund 2 Milliarden Dollar in die Citigroup investiere, berichtete das Wall Street Journal in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf informierte Kreise. Weiterer Kapitalgeber werde der saudische Prinz al-Walid Bin Talal sein, der bereits Citi-Großaktionär ist. Nach Medieninformationen verhandelt die Bank über frisches Kapital von bis zu 10 Milliarden Dollar. Am Dienstag legt die Citigroup ihre Jahreszahlen vor.

Dabei werden weitere Milliardenabschreibungen infolge der Hypotheken- und Kreditkrise erwartet. Die Citigroup rechnet für das vierte Quartal bislang offiziell mit Abschreibungen von bis zu 11 Milliarden Dollar durch Wertpapiere auf Basis schwach besicherter Kredite (“subprime”). Nach Einschätzung von Analysten könnten sie auch deutlich höher ausfallen.

Neben der Citigroup wird auch die Investmentbank Merrill Lynch in der kommenden Woche ihre Bilanz vorlegen. Für die Veröffentlichung am Donnerstag werden weitere Milliardenverluste erwartet Nach einem Bericht der Zeitung New York Times könnte Merrill mit 15 Milliarden Dollar knapp doppelt so viel auf sein Hypothekenportfolio abschreiben müssen wie bislang befürchtet.

Neben den Kreditinstituten legen weitere Schwergewichte ihre Bilanzen vor: Die Intel-Zahlen werden am Dienstag erwartet, IBM folgt am Donnerstag, General Electric am Freitag. Von Reuters befragte Analysten gehen davon aus, dass die Gewinne bei den Unternehmen im S&P 500 im vierten Quartal um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind. “Wenn die Bilanzsaison richtig loslegt, werden die Leute sehen, dass die Dinge schlimmer sind, als sie dachten”, sagte ein Analyst der Nachrichtenagentur.
TAZ Nr. 8478 Agentur v. 14.01.2008, S. 7, 66 Z.

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Vorboten der Krise
18,1 Milliarden Dollar muss allein die größte US-Bank, die Citigroup, abschreiben. Die Finanzkrise könnte sich zu einer Rezession ausweiten

VON NICOLA LIEBERT

Überstanden ist die US-Finanzkrise längst noch nicht. Dies bezeugen die Jahresabschlüsse der großen US-Banken, die in diesen Tagen veröffentlicht werden. Während JP Morgan an diesem Mittwoch, Chase und Merrill Lynch tags darauf vor die Öffentlichkeit treten werden, machte die größte US-Bank, die Citigroup, am Dienstag den Anfang. Und deren Bilanz ist vernichtend. Auf 9,8 Milliarden US-Dollar stieg der Verlust der Citigroup allein im vierten Quartal 2007. Offiziellen Angaben zufolge hat die Bank im letzten Quartal 2007 rund 4.200 Jobs gestrichen. In Bankenkreisen wird gerechnet, dass bis zu einem Drittel der weltweit 300.000 Mitarbeiter entlassen werden könnten.

Wie viele andere US-amerikanische Banken und manche europäische Banken hatte die Citigroup in hypothekenbesicherte Wertpapiere investiert. Dabei handelt es sich um die Darlehen, die US-Hypothekenbanken an ärmere Kunden vergeben und dann auf den Finanzmärkten weiterverkauft hatten. Weil immer mehr Amerikaner zahlungsunfähig geworden waren, hatten diese “Subprime”-Hypotheken die gegenwärtige Finanzkrise ausgelöst. Wertpapiere, die auf diesen Subprime-Hypotheken aufbauen, wurden dadurch praktisch wertlos und müssen abgeschrieben werden. Diese Erfahrung machten in Deutschland bereits die IKB-Bank und die sächsische Landesbank, was sie an den Rand des Abgrunds führte.

Die Citigroup beziffert ihre Abschreibungen auf die gigantische Summe von 18,1 Milliarden Dollar. Merrill Lynch muss der New York Times zufolge womöglich 15 Milliarden Dollar abschreiben – doppelt so viel, wie die Bank bislang angenommen hatte. Banker gehen davon aus, dass den Banken weiteres Unheil droht. Vor allem europäische Banken haben sich hinsichtlich der nötigen Wertberichtigungen bislang sehr zurückhaltend gezeigt.

Wie sehr die US-Großbanken unter der Krise leiden, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sie sich hilfesuchend an arabische oder ostasiatische Investmentfonds wenden, um ihren dringenden Kapitalbedarf zu decken (siehe unten). Damit sinkt die Fähigkeit der US-Banken, die Wirtschaft mit ausreichenden Krediten zu versorgen. Werden Kredite knapper und teurer, wird weniger investiert und auch weniger konsumiert. Und weil die US-Wirtschaft von Krediten abhängig ist, könnte das die Konjunktur abwürgen. Gerade erst sprach der als Finanzgenie verehrte ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan im Wall Street Journal erneut von der Gefahr einer Rezession: “Die Symptome sind eindeutig da.” Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Rezession kommt, schätzt er inzwischen auf mehr als 50 Prozent.

Vor allem die US-amerikanischen Privathaushalte haben sich, um ihren Konsum zu finanzieren, hemmungslos verschuldet. Eine durchschnittliche US-Familie hat Verbindlichkeiten aufgehäuft, die ihr verfügbares Einkommen um ein Drittel übersteigen. Den größten Teil der Schulden haben die Amerikaner auf ihre Häuser aufgenommen. In vielen Regionen des Landes fallen die Immobilienpreise aber inzwischen. Bis zu 2 Millionen Familien sind von einer Zwangsversteigerung bedroht, schätzt das Forschungsinstitut Center for Responsible Lending.

Allerings kriselt es nicht nur auf den Hypothekenmärkten. “Wenn dies eine reine Hypothekenkrise wäre, dann wäre sie längst vorbei”, meint die Financial Times. Zur Überschuldung der US-Haushalte tragen neben den Hypotheken nämlich auch Kreditkarten bei. Der Kreditkartenmarkt ähnelt in seiner Größe dem Markt für “Subprime-Hypotheken”. American Express klagte erst kürzlich, dass seine Kunden ihre Kreditkartenschulden immer öfter nicht begleichen könnten. Um sich auf Zahlungsausfälle vorzubereiten, nahmen mehrere Kreditkartenanbieter bereits hohe Rückstellungen vor.

Der Konsum auf Pump war bislang der wichtigste Konjunkturmotor in den USA. Und der kommt nun ins Stottern. Zu mehr als 70 Prozent hängt das Bruttoinlandsprodukt der USA vom privaten Verbrauch ab. Doch der lässt sich wegen der zunehmenden Überschuldung wohl nicht mehr in der bisherigen Höhe aufrechterhalten. Das enttäuschende Weihnachtsgeschäft war ein Vorbote der Kaufzurückhaltung der amerikanischen Verbraucher.

Auch sonst mehren sich die Zeichen der Schwäche. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze lahmt, die Arbeitslosigkeit stieg im Dezember wieder auf 5 Prozent – einen solch hohen Anstieg gab es zuletzt vor zwei Jahren, als der Hurrikan “Katrina” New Orleans verwüstet hatte. “Der Arbeitsmarktbericht hat unseren Verdacht bestätigt, dass wir uns offiziell schon in einer Rezession befinden”, meint David Rosenberg, der Chefökonom für Nordamerika bei Merrill Lynch.

Nun liegen die Hoffnungen auf der US-Notenbank Fed. Die hatte schon im vergangenen Sommer in Reaktion auf die Hypothekenkrise ihre Zinssätze gesenkt, um den US-Banken billigeres Geld zur Verfügung zu stellen. Das Wall Street Journal berichtete vorgestern, die Fed sei zu einer weiteren kräftigen Zinssenkung bereit, sollten sich die Konjunkturaussichten drastisch verschlechtern. Ob die Hiobsbotschaften der Großbanken bereits eine solche Verschlechterung darstellen, wird sich auf der nächsten Fed-Sitzung in zwei Wochen zeigen.

Deutschland schien bislang von den Turbulenzen wenig berührt. Doch wenn die US-Wirtschaft keinen Weg aus der Krise findet, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Nachrichten aus den USA sorgten gestern an den europäischen Börsen für einen Rückgang der Kurse. Verkauft wurden vor allem Finanzwerte.
TAZ Nr. 8480 TAZ-Bericht v. 16.01.2008, S. 4, 153 Z. von NICOLA LIEBERT

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Hoffen auf China
Die US-Banken hoffen auf Investitionen aus Schwellenländern. Doch nach ersten Fehlschlägen ist man in China vorsichtiger geworden

PEKING taz Auf die 9 Milliarden Dollar von chinesischen Investoren wird die kriselnde US-amerikanische Citigroup wohl vergebens hoffen. Diese Summe hatte die Financial Times kürzlich genannt, doch in Peking werden derzeit wesentlich geringere Summen für eine chinesische Beteiligung an der Citigroup gehandelt .

Die Erste Finanztageszeitung berichtet, dass die staatliche China Development Bank (CDB) mit der Citigroup eine Beteiligung von etwa 2 Milliarden Dollar für 1 Prozent der Citigroup-Aktien vereinbart. Allerdings müsse noch die chinesische Regierung dem Abkommen zustimmen. Und die ist angesichts des gegenwärtigen Zustands der US-Wirtschaft skeptisch, zumal erst im vergangenen Jahr die erste große chinesische Investition in den Vereinigten Staaten gründlich fehlschlug. Im Mai vergangenen Jahres hatte der staatliche Devisenfonds China Investment Corporation (CIC) für 3 Milliarden Dollar 10 Prozent der amerikanischen Investmentfirma Blackstone erworben. Darauf fiel der Kurs der Blackstone-Aktie um fast ein Drittel und löste in China eine heftige Kritik an der Verschwendung staatlicher Devisenreserven aus. Trotzdem folgte im Dezember eine weitere Großinvestition in einer amerikanischen Investment-Bank: Für 5 Milliarden Dollar kaufte CIC 9,9 Prozent der Aktien von Morgan Stanley.

Schon bei diesem Kauf versicherten Regierungsbeamte, dass die US-Finanzkrise keinen chinesischen Kaufrausch auslösen werde. Auch die Annahme, dass Chinas Staatsfonds strategische Anteilen an westlichen Unternehmen anstrebten, weist man zurück. Beamte der Devisenaufsichtsbehörde beteuern, dass man nur stille Beteiligungen wolle. Und die mit 200 Milliarden Dollar aus den Devisenreserven ausgestattete CIC solle nicht mehr als ein Drittel ihrer Mittel im Ausland investieren und den größeren Teil zur Stabilisierung des heimischen Finanzsystems verwenden.

Zwar erhielt die jetzt im Zusammenhang mit der Citigroup erwähnte CDB kürzlich eine Devisenspritze der CIC über 20 Milliarden Dollar. Doch war dieses Geld bisher für Infrastrukturprogramme in Afrika und nicht für Großinvestitionen an der US-Börse vorgesehen. Und dabei könnte es im Großen und Ganzen auch bleiben, glaubt man der Ersten Finanztageszeitung.

Unbedingt auf die Chinesen angewiesen sind die US-Banken aber nicht. So stehen staatliche Fonds aus Kuwait, Korea und Singapur bereit. Erst im Herbst vergangenen Jahres war bereits ein Staatsfonds aus Abu Dhabi mit 7,5 Milliarden Dollar der Citigroup zu Hilfe geeilt. GEORG BLUME
TAZ Nr. 8480 TAZ-Bericht v. 16.01.2008, S. 4, 76 Z. von GEORG BLUME

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Attac & Ackermann

VON TARIK AHMIA

Die Sorge vor einer Finanzkrise mit historischen Ausmaßen stellt nun selbst Grundüberzeugungen der deutschen Hochfinanz auf den Kopf: “Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes”, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und drängt auf staatliche Eingriffe. “Banken allein können die Situation nicht mehr retten”, sagte Ackermann. Er rief zu gemeinsamen Aktionen von Regierungen, Zentralbanken und Banken auf, um das Vertrauen der Finanzmärkte wiederherzustellen: “Die Versorgung der Märkte mit Liquidität reicht dazu nicht aus”, sagte Ackermann.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac stimmte dem Deutsche-Bank-Chef zu. “Sektoren wie die Bankenbranche, deren Krisen die ganze Volkswirtschaft in Gefahr bringen, gehören unter stärkere demokratische Kontrolle”, sagte Stephan Schilling von Attac.

Der Hilferuf findet in der Politik Gehör. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) rief dazu auf, dass Politik und Banken eng zusammenarbeiten sollten, um die Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu begrenzen. “Wir haben es mit einer der größten Finanzkrisen in den letzten Jahrzehnten zu tun”, sagte Steinbrück (SPD). Wirtschaftsforscher senkten wegen der Krise am Dienstag ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet für 2008 nur noch 1,5 Prozent Wachstum. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sogar nur noch 1,3 Prozent. “Die Party ist vorbei”, schrieb Hans-Werner Sinn vom IFO Institut.

Immerhin blieb am Dienstag der befürchtete nächste große Knall an den Finanzmärkten aus. Er drohte von der Nummer 1 und 4 unter den US-Großbanken, die ihre Quartalszahlen vorlegten. Doch sowohl Goldman Sachs als auch die Lehman Brothers kamen mit einem blauen Auge davon. Zwar brach der Gewinn von Goldman Sachs im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent auf 1,47 Mrd. Dollar ein, der von den Lehman Brothers gar um 57 Prozent (465 Millionen Dollar). Auch weitere Abschreibungen wegen der Kreditkrise fielen bei den beiden Banken geringer aus, als von vielen befürchtet.

Die Sorge vor einer weiteren Beinahe-Pleite einer Großbank ist damit vorerst vom Tisch. Erst am Wochenende konnte die fünftgrößte US-Bank Bear Stearns nur durch einen Notverkauf vor der Pleite gerettet werden. Der Verkauf an den Konkurrenten JPMorgan ist aber noch nicht perfekt. Unter den Großaktionären von Bear Stearns regt sich nach einem Bericht des Wall Street Journals unter Aktionären und Mitarbeitern Widerstand gegen den niedrigen Verkaufspreis von knapp 300 Millionen Dollar.

An den Börsen war am Dienstag Durchatmen angesagt. Die Aktien der Lehman Brothers legten um 17 Prozent zu. Der DAX stieg am frühen Abend nach den Kursverlusten der Vortage um 3,41 Prozent auf 6.393 Punkte. Auch der Dow-Jones-Index in New York stieg um 2,41 Prozent auf 12.660 Punkte.

Für gespannte Ruhe sorgte zudem der US-Zinsentscheid, der für Dienstagabend erwartet wurde. Beobachter hielten es für möglich, das die US-Zentralbank die Leitzinsen von 3 auf 2 Prozent senken könnte. Der Euro-Kurs blieb derweil unter den letzten Höchstständen.

Umso mehr verlagert sich das Interesse nun darauf, wie die USA das Schlamassel der geplatzten Kreditblase bewältigen. “Das Undenkbare wird nun unvermeidlich”, warnt der US-Starökonom Paul Krugman in seiner neuesten Kolumne in der New York Times. “Der Staat muss jetzt einspringen und die Schulden übernehmen”, fordert Krugman. “Das Finanzchaos wird Billionen Dollar Verluste verursachen”, prophezeit Krugman. Schon in den 80er-Jahren ist die US-Regierung ähnlich vorgegangen. Damals rettete sie mit etwa 200 Milliarden US-Dollar viele Banken vor den Folgen der Savings & Loans Hypothekenkrise. Das könnte sich nun wiederholen.
TAZ Nr. 8534 TAZ-Bericht v. 19.03.2008, S. 2, 134 Z. von TARIK AHMIA

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Gesell aktualisieren?

Dienstag, Februar 24th, 2009

Gesell kannte noch nicht die Möglichkeiten der heutigen “Geldschöpfung” per Computer. Daher sind seine Gedanken auf eine Zeit bezogen, in der noch Gold als Wertmaßstab galt. Eine zeitgemäße Anpassung an neuzeitliche Gegebenheiten unter Beibehaltung seiner Grunderkenntnisse ist daher unausweichlich.

Zitat Band 1 – Seite 14
Selbstverständlich macht die Tatsache, daß Gesells Werk vor mehr als einem
halben Jahrhundert entstand, seine Aktualisierung und Modernisierung erforderlich.
Zunächst soll diese Einführung die dafür nötigen Hintergrundinformationen
über Gesells jeweilige Lebensstationen sowie über die Zeitumstände vermitteln.
Weiterführende Untersuchungen könnten mit dem Versuch beginnen, Gesells
Persönlichkeitsbild zu vervollständigen. So sehr Werner Schmid dankbare Anerkennung
für seine Gesell-Biographie gebührt, so unerläßlich ist es dennoch,
Nachforschungen nach weiteren Einzelheiten aus Gesells Leben anzustellen
und seine Persönlichkeit aus historischen, psychologischen und ökonomischen
Blickwinkeln zu beleuchten. Auch bedürfen die Zusammenhänge zwischen
Leben und Werk eingehender Studien, dies insbesondere auch im Hinblick auf
vergleichende Untersuchungen mit seinem großen Antipoden Karl Marx.
Sodann ist es eine bekannte Tatsache, daß auch die Schöpfer bahnbrechender
Gedanken im Laufe ihres Lebens Entwicklungen unterliegen. Silvio Gesell
bildet hier keine Ausnahme. Insbesondere seine religiösen und philosophischen
Einstellungen waren solchem Wandel unterworfen, nicht zuletzt aufgrund der
Einflüsse, die die ersten Freunde auf ihn nahmen. Auch seine Einstellung zum
Staatwar solchen Einflüssen ausgesetzt. Deshalb wird es notwendig sein, diese
Wandlungen sehr sorgfältig zu ergründen und genau zu unterscheiden zwischen
dem, was originär von Gesell stammt und dem, was er von Freunden angenommen
hat. Dabei mag dann auch jene weltanschauliche Grundlegung der ökonomischen
Theorien erfolgen, die von Gesell selbst nicht mehr geleistet werden
konnte.

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